Verein zur Förderung traditioneller Seefahrt und Seemannschaft e.V.

Der Besanewer Melpomene dient als Plattform für Erhalt und Weitergabe von Traditioneller Seemannschaft.
Wie früher die Bugsierewer Fracht von Seeschiffen über die Elbe in Binnenhäfen brachten, möchte die Melpomene heute Seemännisches Wissen der traditionellen Seefahrt verbreiten. Für alle Interessierten, bietet sie Platz für Ausbildungsfahrten und -kurse, schafft sie Möglichkeiten zum Austausch zwischen Seglern und steht als Raum für weitere Ideen rund um die Seefahrt zur Verfügung. Wie sieht deine Idee für die Melpomene aus? Sei dabei!

Plattform für die Traditionsschifffahrt
Die Melpomene setzt den Fokus auf Vereins- und somit Schiffsübergreifende Ausbildung. Mit bis zu 12 Personen an Bord können verschiedene Themenschwerpunkte intensiv und direkt angegangen werden. Mit den „Großen Schiffen“ als Unterstützer im Hintergrund, stehen Wissensaustausch und Erfahrungslernen auf der Melpomene im Vordergrund. Beispiele für bereits stattfindende Schwerpunktreisen auf der Melpomene sind der SchifferIn Törn, ein Takelworkshop und weitere crewübergreifende Segelreisen.

Das Schiff
Der Besanewer Melpomene ist auf Grund seiner Bauart und seines Alters ein fast unverändert gebliebenes Beispiel der Schiffbaukunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts im Raum Unterelbe.Der Besanewer fährt im Gegensatz zu anderen Ewern zwei Masten: den höheren, auf dem Vorschiff befindlichen Großmast, und den achtern stehenden „Besan“-Mast. Daher die Bezeichnung: „Besanewer“, im Gegensatz zu dem einmastigen „Pfahlewer“. Mit seinem flachen Boden kann er sich an geeigneter Stelle „trockenfallen“ lassen.

Melpomene heute
Das Schiff wird für Reisen und Veranstaltungen eingesetzt, bei denen das traditionelle Wissen und die traditionelle und auch aktuelle Seemanschaft weitergegeben wird. Besonders hervorzuheben ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Thor Heyerdahl e.V.. Der Verein des Dreimast -Toppsegelschoners aus Kiel hat ein Aus-und Fortbildungsprogramm für dessen Vereinsmitglieder das deutschlandweit einzigartig ist. Es erstreckt sich über traditionelles Handwerk/Seemannschaft sowie Erlebnispädagogik und vieles vieles mehr. Die Melpomene ist fest in dieses Ausbildungsprogramm mit eingespleißt und dient als Bildungsstätte und Ausbildungsschiff in Fahrt.

Geschichte der Melpomene
Geschichtlich hat der Ewer viel in seinen 120 Jahren erlebt. Bis 1929 reichte die Zeit als reiner Frachtensegler. Dann motorisierte ein 12-PS-Glühkopfmotor das Schiff zusätzlich. Auf der ersten Reise mit dem neuen Motor fiel der Schiffer über Bord und ertrank. Die Frau des Verstorbenen heiratete ihren 2. Mann, ebenfalls Schiffer, der die Melpomene dann weiter führte.
Im Herbst 1939 kam es zu einem weiteren Unglück, als der Ewer vor der Störmündung auf Grund lief und auf einer Untiefe volllief. Die Feuerwehr konnte das Schiff leer pumpen und so konnte die Melpomene wieder flottgemacht werden. Nachdem der Schiffer aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam, war er ein kranker Mann und nicht mehr in der Lage die Melpomene zu führen.
Seine Frau Miede ging daraufhin nach Brunsbüttel, ließ sich unterrichten und erhielt das Steuermannspatent für die kleine Küstenschifffahrt. Bis 1963 fuhr Miede das Schiff als Schiffsführerin und eroberte sich mit ihrer robusten, fröhlichen und schlagfertigen Art einen festen Platz unter den sonst nur männlichen Kollegen.Zum 100-jährigen Jubiläum der Schiffergilde (Versicherungsgesellschaft für kleine Frachtensegler) im Jahre 1961 war die Melpomene das älteste und kleinste noch dort versicherte Schiff. Bei der Jubiläumsfeier sagte Miede: ,,
Theoretisch heff ick ni veel lehrt. Veet Johr kunn ick blot no school gohn. Ober praktisch, dor is dat anners. Nodem ick twee Männer heff no ́n Karkhoff henbringen müsst, musst ick mit dat Schipp los. Ditt hier is nu een gode Gelegenheit, ju alltosom hartlich zu danken, dat ji mi immer so holpen hefft. Ick wünsch mi, dat ji all so nett to mi blieft''.Nach Miede übernahm das Schiff ein Müller der Futtermittel fuhr und nachdem es sich nicht mehr rechnete Frachtschiffahrt mit Ewen zu betreiben, kam 1976 Bernd Schmiel und baute das Schiff zurück zum Besanewer, den er dann „Eule“ nannte.
2010 kauften die Quäkerhäuser Buchholz den Ewer, tauften Ihn zurück auf „Melpomene“ und sanierten das Schiff über 3,5 Jahre mit Jugendlichen. Für die jungen Menschen diente dieses Qualifizierungsprojekt der Entwicklung von Perspektiven zur Eingliederung in Erwerbsarbeit.
Seit 2014 ist die Melpomene fast ausschließlich mit Besatzungsmitgliedern anderer größerer Traditionssegler wie „Thor Heyerdahl“, „Nobile“ und „Fridtjof Nansen“ wieder in Fahrt. Eine Hand voll engagierter Stammleute hat den Verein zur Förderung Traditioneller Seefahrt und Seemannschaft e.V. übernommen und hält in dieser Organisationsform die Melpomene in Fahrt.

Der Name
In der Griechischen Mythologie war Melpomene die Tochter von Zeus und eine der neun Musen. Sie hat sehr viel Unglück und Leid gesehen und hilft durch ihren Gesang, neue Kraft in den menschlichen Geist zu transportieren. Sie führt Schwache durch den Sturm des Lebens.



Melpomene